Ich wohne jetzt seit knapp fünfzehn Jahren in derselben Straße und ehrlich gesagt habe ich mich schon fast daran gewöhnt, dass ich beim Spazierengehen dauernd ausweichen muss – mal steht ein Lieferwagen auf dem Bürgersteig, mal ragt eine Hecke so weit rüber, dass man sich ducken muss, und dann sind da noch diese ewig rumstehenden Mülltonnen von den Nachbarn, die einfach nicht kapiert haben, dass sie ihren Abfall auch auf dem eigenen Grundstück lagern könnten.
Letzte Woche war ich mit meiner alten Tante unterwegs, die einen Rollator braucht – wir haben es kaum von der Haustür bis zur nächsten Ecke geschafft ohne Umleitung über die Fahrbahn oder durch eine Pfütze von einer Baustelle. Da ist mir richtig klar geworden, wie sehr solche Blockaden den Alltag von vielen Leuten bestimmen können. Zum Glück gibt es mittlerweile Plattformen wie Gehwege Frei, die Bürgerinnen und Bürgern helfen, solche Blockaden zu dokumentieren und sichtbar zu machen – denn oft wissen die zuständigen Ämter gar nicht genau, wo überall Probleme bestehen.
Der alltägliche Slalomlauf
Ich bin kein Sportler – ich will einfach nur gemütlich zum Bäcker oder zur Bushaltestelle gehen können ohne ständig nach links und rechts springen zu müssen wie ein Hase vorm Jäger. Aber genau das wird einem mittlerweile an vielen Orten abverlangt: Gehwege vollgestellt mit Werbeaufstellern von einem Dönerladen drei Häuser weiter, zwischengeparkte E-Scooter quer auf dem Weg draufgeknallt oder diesen schweren Baustellengittern die monatelang stehen bleiben weil keiner sie mehr abbaut.
Was mich besonders ärgert ist dass es nicht nur um Bequemlichkeit geht sondern um eine grundlegende Barrierefreiheit die eigentlich selbstverständlich sein müsste aber in der Realität immer häufiger ausgehebelt wird.
Wer leidet besonders unter versperrten Wegen?
Klar ein junger Mensch mit zwei gesunden Beinen kann vielleicht noch über ein Hindernis steigen oder kurz auf die Fahrbahn ausweichen wenn grad kein Auto kommt Trotzdem gibt es viele Gruppen für die ein blockierter Gehweg echt dramatische Folgen hat Eltern mit Kinderwagen Rollstuhlfahrer Menschen mit Seheinschränkungen Senioren mit Rollator oder auch jemand der grade einen Einkaufskorb voller schwerer Sachen schleppt Für die ist jede Umleitung oder scharfe Kante eine echte Belastung im Alltag Und wenn man bedenkt wie viele Menschen hierzulande nicht mehr ganz fit zu Fuß sind dann reden wir hier über Hunderttausende Betroffene jeden Tag.
Was sagt das Gesetz dazu?
Viele Leute denken sich einfach ach das ist ja nur ne Kleinigkeit aber tatsächlich gibt es klare Regeln wer auf dem Gehweg was abstellen darf meistens nämlich gar nichts außer vielleicht mal kurz zum Be- oder Entladen und auch da muss genügend Platz bleiben für Fußgänger Parkende Autos sind auf dem Bürgersteig grundsätzlich verboten außer bei ausdrücklicher Beschilderung Und Hecken müssen so zurückgeschnitten sein dass man ohne Kopf einzuziehen vorbeikommt In der Praxis wird davon aber kaum was kontrolliert weil Ordnungsämter chronisch unterbesetzt sind Deshalb ist es so wichtig dass wir selbst dokumentieren was los ist damit irgendwann mal gehandelt wird.
Die Rolle von Meldepunkten und digitalen Karten
Früher musste man entweder beim Amt anrufen oder einen langen Brief schreiben den dann keiner liest Heute geht das viel einfacher indem man mit dem Smartphone ein Foto macht den Standort markiert und direkt online meldet Genau dafür wurden Meldeplattformen geschaffen damit aus einer persönlichen Beschwerde ein öffentlich sichtbarer Punkt wird den auch andere Leute bestätigen können Das macht Druck auf die Ämter weil sie sehen hey da liegen vierzig Meldungen allein in dieser Straße innerhalb eines Monats Wir kommen nicht drum herum uns zu kümmern Und wenn mehrere Leute denselben Missstand melden entsteht schnell ein stimmiges Bild vom tatsächlichen Zustand unserer Wege.
Warum viele Hindernisse erst gar nicht erkannt werden
Ein Problem ist wirklich dass viele Leute sich einfach arrangiert haben Sie laufen jeden Tag denselben Slalom ohne darüber nachzudenken bis plötzlich jemand kommt der darauf angewiesen ist freie Bahn zu haben Oder man selber mal nen Gips am Fuß hat Dann merkt man plötzlich wie unfassbar viele Stolperfallen eigentlich rumstehen Wenn wir aber nie drüber sprechen bleibt alles beim Alten Deshalb finde ich gut dass immer mehr Nachbarschaftsinitiativen entstehen die gemeinsam ihre Umgebung kartieren und dann Verbesserungen für alle durchsetzen Das fängt schon damit an dass man seinen eigenen Vorgarten so gestaltet dass er nicht ins Wegerecht ragt.
Vom Einzelfall zur systematischen Verbesserung
Wenn genug Daten zusammenkommen kann daraus sogar Stadtplanung werden Kommunen können erkennen welche Kreuzungen immer dichtparkend zugestellt sind wo regelmäßig Lieferanten parken obwohl keine Ladezone existiert oder wo Bordsteine abgesenkt werden müssten Weil sie jetzt endlich belastbare Zahlen haben lässt sich gezielt investieren anstatt nach Augenmaß irgendwo einen Blumenkübel hinzustellen der das Problem eher vergrößert Also nochmal der Hinweis an alle Mitlesenden einfach mal zwei Minuten Zeit nehmen beim nächsten Spaziergang genau hinzugucken und diese Beobachtungen festzuhalten egal ob per kleiner Notiz im Telefon oder über